von Mariella Hinz
Wir konnten 2024 unsere erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Deutschen Depressionsliga e.V. fortsetzen und drei weitere RAMSES Recovery-Kurse, sowie erstmals Refresher-Angebote für ehemalige Teilnehmende umsetzen. In diesem Blog-Beitrag möchten wir einen Einblick in unsere Projektarbeit geben.
An wen richtet sich der Recovery-Kurs RAMSES?

Seit dem Beginn unserer Arbeit ist der RAMSES Recovery-Kurs eines unserer Herzensprojekte. Es handelt sich dabei um ein Angebot an Menschen, die sich nach einer erlebten Krise auf dem Recovery Weg befinden und ihre Resilienz stärken wollen. Wir wollen Genesende in ihrem Prozess begleiten und beispielsweise helfen, Wartezeiten auf einen Therapieplatz nach einem Klinikaufenthalt, zu überbrücken. Auch nach unserer Mitte 2024 erfolgten Umbenennung in das „ERNA Erfahrungsexpert*innen Resilienz-Netzwerk und Austausch“ war es uns wichtig, diese für uns wertvolle Arbeit fortzuführen. Umso mehr haben wir uns gefreut, dass die Deutsche Depressionsliga e.V. die Zusammenarbeit mit uns weiterhin möglich gemacht hat.
RAMSES-Trainerin Daniela Hadem-Kälber berichtet von ihren Erfahrungen
Die Recovery-Kurse werden von uns immer im Tandem begleitet, damit wir individueller auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen können, das ist uns wichtig. Im November 2024 ist eine Gruppe gestartet, die von Mariella Hinz und Daniela Hadem-Kälber zehn Wochen lang begleitet wurde. Daniela berichtet über ihre Erfahrungen aus der Trainerinnenperspektive:
„In diesem speziellen Kurs konnte ich eine positive Entwicklung der Gruppendynamik beobachten, die mich besonders beeindruckt hat. Zu Beginn lag eine spürbare Anspannung in der Luft. Ich habe wahrgenommen, dass nicht nur die gewohnte Nervosität, die oft mit dem Start eines Gruppenprozesses einhergeht, präsent war, sondern dass es auch persönliche Herausforderungen gab, mit denen einige Teilnehmende kämpften.
Doch dann geschah etwas, das ich bis heute erstaunlich finde: Die Gruppe entwickelte ein wunderbares Vertrauen untereinander. In der Online-Umgebung entstand ein echtes Miteinander. Die Diskussionen wurden lebendiger, und wir fanden uns nicht selten in lebhaften Gesprächen wieder, z.B. über die Frage
„Was bedeutet es, Eigenverantwortung zu übernehmen?“
Ein zentrales Thema in einer der Sessions war das Verlassen der Opferrolle. Wir besprachen den Unterschied zwischen dem berechtigten Gefühl Opfer von Gewalt – sei sie physisch oder psychisch – geworden zu sein, und der Gefahr, sich in einer selbstgewählten Opferhaltung einzurichten. Diese deutliche Trennung ist wichtig, wenn man mit dem Thema Rollenklarheit arbeitet.
In unserem Kurs ging es darum, zunächst einmal zu erkennen, wann wir in diese selbstgewählte Opferrolle schlüpfen. Zugegeben, es passiert uns allen, dass wir uns manchmal als Opfer der Umstände fühlen. Diese Einstellung kann uns auf den ersten Blick ein Gefühl der moralischen Überlegenheit geben
Doch es ist entscheidend, sich bewusst zu machen, dass diejenigen, die sich immer wieder ungerecht behandelt oder benachteiligt fühlen, oft in die Opferrolle fallen. Dies mag kurzfristig entlastend sein, langfristig ist es jedoch seelisches „Gift“. Denn damit geben wir unsere eigene Handlungsmacht auf und verharren unbewusst in einer Haltung, die positive Veränderungen behindert. Ein moderner Therapieansatz ist z.B. die Bedeutung, das innere Kind oder jüngere Anteile in uns selbst „nachzubeeltern“.
Bei RAMSES und auch in unseren anderen Trainings liegt ein zentraler Schwerpunkt darauf, die Selbstwirksamkeit der Teilnehmenden zu stärken. Wir schaffen Räume, in denen sie Erfahrungen sammeln, die ihnen zeigen, wozu sie fähig sind – und dass es unerlässlich ist, sich immer wieder kleine, „mutige“ Herausforderungen vorzunehmen. Diese Erlebnisse bilden die Grundlage für nachhaltige Veränderungen und eine gestärkte Resilienz im Umgang mit den Widrigkeiten des Lebens.
Insgesamt bleibt mir das Resilienztraining mit dieser tollen Gruppe sicher noch lange im Gedächtnis.“
Die Refresher-Möglichkeiten zur Wiederauffrischung und Förderung neuer Vernetzung
Wir haben aus bisherigen Kursen oft das Feedback bekommen: „Wie schade, dass es schon vorbei ist!“ Daher haben wir gemeinsam überlegt welche Möglichkeiten es geben kann ehemaligen Ramses Teilnehmenden ein fortführendes Angebot zu bieten. Wir haben uns entschieden einen dreiteiligen Refresher anzubieten, der zum einen eine Möglichkeit bieten sollte das eigene Wissen zu den Resilienz-Säulen aufzufrischen und zu anderen die Vernetzung zu fördern. Es konnten sich hier wieder neue Menschen kennenlernen, die zwar am gleichen Angebot teilgenommen hatten, aber aus unterschiedlichen Kursen waren.
Die Rückmeldungen zu diesem neuen Format waren sehr positiv und wir konnten sogar aufgrund hoher Anmeldezahlen eine zweite Gruppe parallel starten lassen. Insgesamt gab es somit 6 Refresher Termine, bei denen jeweils zwei bzw. drei Resilienz Säulen besprochen wurden. Neben der Wiederholung der Grundlagen wurden auch neue Aspekte eingebracht und Raum zum Austausch gegeben.
Mariella Hinz leitete mehrere Refresher Termine und berichtet:
„Ich habe direkt beim ersten Termin die Dankbarkeit der Gruppe gespürt. Darüber, dass sie noch einmal die Gelegenheit bekommen, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Besonders beeindruckt hat es mich zu sehen, wie sich einige Teilnehmende weiterentwickelt haben und auch zu hören, dass unser Angebot daran beteiligt war. Ich habe auch beobachten können das es einige gab, die immer noch zu kämpfen hatten. Doch auch hier war zu merken, dass sich etwas verändert hatte. Obwohl vielleicht nicht jeder Tag gut war, so habe ich immer wieder mitbekommen das der Optimismus durch schwere Zeiten, seit Kursende getragen hat.“
Die einzelnen Refresher-Termine wurden von wechselnden Kursleitungen durchgeführt, damit alle die Chance hatten „ihre“ ursprünglichen Trainer*innen wiederzusehen. Es zeigte sich, dass dieses Wechselmodell in den Planungen einige Herausforderungen mit sich brachte, die aber allesamt durch den Einsatz der beteiligten Trainerinnen gelöst werden konnten.
Was macht die Zusammenarbeit mit der Deutschen Depressionsliga e.V. für uns besonders?
Die Zusammenarbeit mit der Deutschen Depressionsliga e.V. ist für uns besonders, weil die Teilnehmenden, die sich in den Kursen treffen, oft ähnliche Erfahrungen im Leben gemacht haben. Das fördert das Verständnis untereinander und schafft bereits zu Kursbeginn eine Gemeinsamkeit. Für viele Teilnehmende ist es erleichternd zu merken:
Ich bin damit gar nicht allein!
Oft beobachten wir, dass sich die Teilnehmenden in der von uns angeleiteten Kleingruppenarbeit gut gegenseitig unterstützen. Obwohl wir erst in Woche 9 über die Säule der Netzwerkorientierung sprechen, passieren gerade in diesem Bereich schon früh positive Veränderungen.

Natürlich möchten wir uns an dieser Stelle auch ganz herzlich bei unseren Ansprechpartnerinnen bedanken, die auf der menschlichen Ebene die Zusammenarbeit besonders machen.
Wir freuen uns immer mit euch gemeinsam nach neuen Ideen und Möglichkeiten zu suchen, wie wir anderen auf ihrem Weg zu einem resilienteren Leben unterstützen können.
Bildquellen:
Titelbild: Nelke Blütenblätter Blüte – Kostenloses Foto auf Pixabay von Joa70
Bild 1 Wartezeit: Innen Zeit Warten – Kostenloses Foto auf Pixabay von sunbeamphoto
Bild 2 Gegenseitige Unterstützung: Virtuelle Kollegen – Kostenloses Foto auf Pixabay von Geralt

Mariella ist Resilienz- und GSK-Trainerin aus Schleswig-Holstein.